Historie

Hier finden sie einen historischen Überblick über die geschichtliche Entwicklung von

Borkow und dem Gutshaus Borkow.

Allgemeine Infos zu Borkow

Der Name Borkow stammt vom altslawischen borŭ für Kampf oder bor für Fichte ab. Der Ortsname bedeutet demnach so viel wie Ort des Kampfes oder Fichtenwald.

Typisch für Slawensiedlungen ist das „ow“ im Ortsnamen (Kirchengründung und Kolonisation liefen parallel).

Somit liegt die Gründung des Ortes Borkow weit vor dem Jahr 1283 wie es irrtümlich in der Borkow-Festschrift der Feierlichkeiten zum 700jährigen Gründungsjubiläum (im Jahr 1983) erwähnt wurde.

Zumal der Ritter von Maltza(h)n bereits im Jahr 1248 Borkow, Below und Dennis (Kossaten Dörfer) als Eigentum überschrieben bekommen hat.

Der Turmhügel der sich auf unserem Grundstück befindet wurde erst Mitte des 15. Jahrhunderts angelegt. Er diente zum Schutz vor Angreifern und wilden Tieren. Der Turmhügel steht unter Denkmalschutz. Von unserem Grundstück aus kann man über eine kleine Brücke die „Turmhügel-Insel“ erreichen. 

Allgemeine Infos zum Gutshaus Borkow

Die geschichtliche Entwicklung von Borkow ist eng mit unserem Gutshaus verbunden.

Anders als in den meisten Gutshäusern in Mecklenburg-Vorpommern gab es nicht eine traditionelle Familie die das Gutshaus Borkow über mehrere Jahrhunderte besessen hat. Das Gutshaus hatte viele und ganz unterschiedliche Eigentümer.

Es gibt eine Legende über das alte – in der Kamlade gelegene – Gutshaus.

Dieses viel kleinere Gutshaus soll in dem kleinen See hinter dem Lehrerwohnhaus (Haus aus roten Backsteinen neben der kleinen Kirche) versunken sein. Weiter besagt die Legende, dass man das Haus bei gutem Wetter heute noch sehen kann. Wie bei allen Legenden kann dies nicht exakt bewiesen werden. Aber oftmals ist ein kleiner Funken Wahrheit dabei.

Das jetzige Gutshaus wurde in seinen Ursprüngen wohl um das Jahr 1608 - also noch vor dem 30-jährigen Krieg - gebaut.

Die Gutsanlage von Borkow wurde seinerzeit im Hufeisenstil angelegt.

Das Gutshaus stand in der Mitte und zu beiden Seiten befanden sich die Ställe. Man muss es sich wie ein kleines Dorf vorstellen. Unter anderem gab es eine Gärtnerei mit einem Gewächshaus. Dieses Gewächshaus wurde erst nach dem 2.Weltkrieg von einem Gärtner aus Dabel abgebaut.

Auch befand sich in der Gutsanlage noch eine Tischlerei. Diese existierte noch als wir das Anwesen 1996 gekauft haben. Bevor die baufällige Tischlerei abgerissen wurde, sind die noch vorhandenen Maschinen nach Kobrow ins dortige Museumsdorf gebracht worden. Dort können sie noch heute bewundert werden. Ein Steinhaufen mit kleinen Resten der Tischlerei dient heute noch als stiller Zeitzeuge.

Die Gutsanlage war von einer Mauer umgeben. Einzelne Teile waren noch bis zu Beginn des 21.Jahrhunderts sichtbar.

Im Rahmen einer Straßenbaumaßnahme im Jahr 2001 wurden die Reste der ursprünglichen Mauer leider zerstört. Somit ist nichts mehr von der altertümlichen Mauer erhalten geblieben. Die alte Kastanienallee wurde zu unserem Bedauern aus dem Denkmalschutzprogramm herausgenommen und viel im Anschluss daran auch den Straßenbaumaßnahmen zum Opfer.

Generell kann man sagen, dass das Gut Borkow über Jahrhunderte hinweg eine gute Einnahmequelle gewesen sein muss. Dies gestattete den Besitzern sicherlich, dass sie für ihre jeweilige Zeit angemessen leben konnten.

Alte Fundstücke aus dieser Zeit bestätigen diesen gehobenen Lebensstil. Die Familie Reichhoff (weitere Infos siehe Jahreszeitraum 1850 – 1928) war in Besitz von Geschirr der Firma Copeland & Spode das aus England importiert wurde. Auch konnten Teile von Markenporzellan aus Schlesien gefunden werden.

Zudem existierte aus dieser Zeit noch ein Jugendstilkachelofen. Dieser war gut versteckt und hatte all die Irrungen und Wirrungen des 20. Jahrhunderts (incl. der 2 Weltkriege und der Demontage durch die Russen) sehr gut überstanden. Wir haben diesen bei den Renovierungsarbeiten entdeckt.

Jahr 1248

Borkow, Below und Dennis (Kossaten Dörfer) gehen in den Besitz des Ritters von Maltza(h)n über. Dieser bekam die genannten Dörfer als Eigentum überschrieben um die Besiedelung und die Christianisierung im Osten zu festigen.

 

Wappen des Adelsgeschlechts Maltza(h)n

 

 

 

Maltzahn oder Maltzan, in älterer Zeit Molzahn ist der Name für ein Uradelsgeschlecht aus Mecklenburg-Vorpommern. Dieses Gelschlecht wird erstmals im Jahr 1194 urkundlich genannt.

Jahr 1283

Fürstin Anastasia schenkt dem Kloster Sonnenkamp (Neukloster) das im Mittelalter untergegangen Dorf Neppermühlen mit der Mühle und einem Teil der Fischerei auf dem angrenzenden (Klein Pritzer See) und dem kleinen Borkower See.

In dieser Urkunde wird Borkow als Dorf erstmalig nachweislich erwähnt.

Jahr 1283 - 1617
Wappen des Adelsgeschlechts von Cramon

Im Jahr 1283 wird in Dokumenten und Kaufverträgen eine Familie von Cramon aufgeführt.

Diese waren die ersten momentan bekannten Eigentümer der Gutsanlage. Bis zum Jahr 1617 war das Gut in deren Besitz. Somit war die Familie von Cramon über dreihundert Jahre Eigentümer der Gutsanlage Borkow. Den Grund warum die von Cramons das Gut verkauften konnte noch nicht festgestellt werden.

Die Familie von Cramons war zusätzlich auch in Besitz von von Mustin und Woserin.

Cramon oder auch Cremon ist der Name einer bis heute bestehenden Familie des mecklenburgischen Uraldels.

Das jetzige Gutshaus wurde in seinen Ursprüngen wohl um das Jahr 1608 - also noch vor dem 30-jährigen Krieg - gebaut.

 

 

Über einige Mitglieder der Familie von Cramon ist etwas bekannt.

Die von Cramons waren – wie es so üblich war in der damaligen Zeit - sehr gläubig sie gingen nach Gägelow in die Kirche. Diese Gläubigkeit zeigte sich besonders Mitte des 14.Jahrhunderts als ein von Cramon seine gesamten Jahreseinnahmen dem Kloster Sonnenkamp vermachte.

Reimar von Cramon und seine Frau Anna hatten einen Sohn Christoph von Cramon (1524-1592)

Christoph heiratete im Jahr 1551 eine Dorothea von Below. Sie hatten eine Tochter die nach der Mutter von Christoph - Anna von Cramon - benannt worden ist. Die Tochter verstarb 1626.

Jahr 1617 - 1764

Familie von Bülow – genauer gesagt Heinrich von Bülow - kaufte das Gut Borkow im Jahr 1617 von der Familie von Cramon. Der Kaufvertrag ist noch vollständig erhalten und kann im Amt für Denkmalpflege in Schwerin eingesehen werden. Die Amtssprache war seinerzeit Latein.

Im 30-jährigen Krieg (1618 – 1648) wurde das Gutshaus mehrfach geplündert. Zusätzlich kam es durch Missernten zu einer Hungersnot in Borkow. Ein Großteil der Bewohner verstarb durch diese äußeren Einflüsse.

Wappen des Adelsgeschlechts von Bülow

 

Von Bülow ist der Name eines deutschen  Adelsgeschlechts. Die Herren, Freiherren, Grafen und Fürsten von Bülow zählen zu den ältesten und namhaftesten Geschlechtern des mecklenburgischen Uradels. Sie konnten sich in der Vergangenheit weit über ihre Stammheimat hinaus ausbreiten und gelangten zu einigem Ansehen. Zweige der Familie bestehen bis heute fort.

Unter anderem ist der verstorbene Komiker Loriot (Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow) kurz Vicco von Bülow eine berühmte Persönlichkeit der von Bülows.

Jahr 1719 - 1739
Wappen des Adelsgeschlechts von Gundlach

An der Wegscheide zu Woserin (Woseriner Feldmark) befand sich eine Glashütte. Dieser Standort ist das Resultat eines Konsens zwischen den Grundherren Hauptmann Jobst von Bülow (Woserin) und Frau Katharina von Borkow mit ihren Söhnen.

Vertraglich wurde der Betrieb für 10 Jahre geregelt. 7 Jahre brannte die Glashütte mit Woseriner und 3 Jahre aus den Borkower Hölzungen. Zu dieser Zeit war der umliegende Wald durch heftige Sturmschäden sehr stark beschädigt.

Es handelte sich bei dem produzierten Glas um Bouteillen (Flaschen) und Fensterglas.

Der Hüttenmeister (Eigentümer) war Leutnant Christian Friedrich von Gundlach. Die von Gundlach (GundelachGondelach) entstammen einer alten hessischen Glasmacherfamilie und gehören zum mecklenburgischen Adel.

Von Gundlach verpflichtet sich, 40 Wochen im Jahre zu brennen und 366 Taler 32 Schillinge fürs Jahr zu geben. Hier wird Lieferung von Bouteillen und Fensterglas vereinbart.

Hauptmanns Jobst von Bülow gerät bald in heftigen Streit mit von Gundlach wer die Steuern aus den Einnahmen der Glashütte bekommen sollte. Es kommt hier schnell zu Gewalttätigkeiten, die zu damaliger Zeit nichts Seltenes sind. Während des Prozesses ist ein Arrestbefehl an von Gundlach ergangen, kein Glas abfahren zu lassen. Als nun in seiner Abwesenheit der Vizemeister Samuel von Gundlach nichtsdestoweniger Glaswaren von zwei Bauern abfahren läßt, von denen einer 6000, der andere 7000 Bouteillen geladen hat, kommt von Bülow dicht vor Borkow mit vier Leuten angeritten, zwingt die Bauern umzukehren.

Er führt sie nach Woserin auf seinen Hof und behält dort nicht nur die beladenen Wagen, sondern auch die Sielengeschirre der Bauernpferde. Hieraus entspinnt sich eine Untersuchung gegen von Bülow wegen Gewalttätigkeit, begangen auf offenem Wege, die aber im Sande verläuft.

Durch diesen Streit ist die Stimmung der Parteien nicht besser geworden, und als einstmals wieder Glas verfahren werden soll, erscheint auf von Bülows Anstiften der junge Grabow auf Suckwitz mit Woseriner und Dobbertiner Leuten, die mit Schieß- und Seitengewehr, mit Spieß und Stangen bewaffnet sind, teils zu Pferde, teils zu Fuß, wohl über 100 Mann stark, auf dem Gelände der Glashütte. Er befiehlt den mit Aufladen von Glaswaren beschäftigten Bauern sofort anzuspannen und mit Pferd und Wagen zum Woseriner Hof zu fahren. Sie würden weder Pferde noch Wagen jemals wiedersehen. Trotz energischen Protestes des Vizemeisters beharrt Grabow auf Suckwitz auf seine Befehle. Als die Bauern zögern ruft er dem Dobbertiner Amtsschreiber zu mit seinen Leuten anzutreten. Diese spannen daraufhin die Pferde vor und in hellem Jubel zieht der ganze Troß nach Woserin wo die tapferen Helden mit Speck, Brot und Bier regaliert werden. Die armen Bauern müssen schwören niemals wieder Glas fahren zu fahren und kehren zu Fuß zur Glashütte zurück, dem Vizemeister ihr Leid klagend.

Der Streit entbrennt somit mit erneuerter Heftigkeit. Alle Befehle des Herzogs Karl Leopold auf einstweilige Wiederauslieferung des Glases läßt von Bülow unbeachtet, so dass er schließlich für Strafmandate über 1000 Taler verurteilt wird. Das Verfahren geht einen schleppenden Gang, bis es im Jahr 1731 von der Reichs-Exekutions-Kommission übernommen wird. Diese erläßt von Bülow die Strafe wegen der nicht befolgten Strafmandate, da er bona fide (auf Treu und Glauben) gehandelt habe. Über den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit erfahren wir leider nichts mehr.

Jahr 1761 - 1850

In dem Zeitraum 1761 bis 1850 ist leider noch nicht so viel über das Gutshaus Borkow bekannt. Die Nachforschungen hierzu gestalten sich als äußerst schwierig.

Gesicherte Erkenntnisse gibt es nur über die Namen der jeweiligen Eigentümer vom Gut Borkow. Wir hoffen nach und nach mehr über diese in Erfahrung bringen zu können.

1761-1784

Stallmeister Karl Ludwig von Seitz (Lehnseid 30.06.1764)

Familie aus Schlesien am 03.06.1749 in den Reichsadelsstand erhoben

1784-786

Hofjunker von Levetzow - mecklenburgisches Adelsgeschlecht

1786-1791 Hamburger Kaufmann Mathias Lange
1791-1803 G.F.F. von Segnitz
1803-1804 Johann Christoph Gorbitz
1804-1822 Johann Gottfried Lubbe
1822-1850 Oberlandforstmeister Christoph Eggers

Von Oberlandforstmeister Christoph Eggers ist bekannt, dass er beim Straßenbau nach Dobbertin ein altes Grab gefunden hat und diese Funde dem Landesdenkmalamt zur Verfügung stellte.

Nachfahren der Familie Eggers gaben an, dass auf Grund von Erbstreitigkeiten das Gut Borkow im Jahr 1850 verkauft werden musste.

Jahr 1850 - 1928

Die Familie Christian Reichhoff hatte das Gut im Jahr 1850 von Oberlandforstmeister Christoph Eggers gekauft. Das Gut musste auf Grund von Erbstreitigkeiten verkauft werden.

Familie Reichhoff war fast 80 Jahre im Besitz des Gutshauses Borkow.

Gutshaus Borkow um 1909

 

Zudem besaßen sie über 2100 Hektar Boden. Die Fläche erstreckte sich fast bis nach Dobbertin und Schlowe. Auch der Klein Pritzer See gehörte seinerzeit zum Gut Borkow.

Gutshaus Borkow um 1912

 

Max Reichhoff - der Sohn von Christian Reichhoff - hatte das Gut im Jahr 1891 von seinem Vater übernommen. Es ist belegt, dass Max Reichhoff am 23.01.1891 den Lehnseid abgelegt hat.

Im Jahr 1891 stirbt Christian Reichhoff und die Hyoptheken gehen auf den Nachlass über.

Gutshaus Borkow um 1917

Max Reichhoff hatte mit seiner Frau Gertrud insgesamt vier Kinder:

  • 1885 Tochter Hedwig
  • 1886 Sohn Carl Nikolaus
  • 1887 Tochter Elisabeth
  • 1889 Tochter Gertrud

Eine seiner Töchter heiratete am 07.10.1909 auf dem Gut in die Familie von Bennecke ein.

Bahnhof Borkow um 1900

Es ranken sich viele Geschichten um die Gutsbesitzerfamilie Max & Gertrud Reichhoff.

Die vielleicht kurioseste Geschichte besagt, dass der Bahnhof in Borkow nur gebaut wurde, weil Max Reichhoff immer die Notbremse zog wenn er in Borkow aussteigen wollte. Auf alten Postkarten kann man diesen besagten Bahnhof im Original sehr gut erkennen. Eine Postkarte mit der Unterschrift von Marie Reichhoff ist ebenfalls erhalten.

Gutshaus Borkow um 1925

 

Familie Reichhoff kam - durch Missernten und Seuchen (Maul- und Klauenseuche – der komplette Tierbestand wurde vernichtet) – in finanzielle Bedrängnis. Letztendlich konnte Max Reichhoff den finanziellen Verlust nicht ausgleichen und das Gut Borkow wurde an die Familie von Tiedemann verkauft. Der Kaufvertrag im Schweriner Amt für Denkmalpflege belegt dies.

Jahr 1928 - 1936

Familie von Tiedemann kaufte das Gut Borkow von Max Reichhoff im Jahr 1928. Die Familie Reichhoff musste aus finanziellen Gründen das Gut verkaufen (weitere Infos siehe Jahreszeitraum 1850 – 1928).

Die Familie von Tiedemann kam aus Westpreußen. Sie wurden nach dem ersten Weltkrieg enteignet.

Wie jedem bekannt sein dürfte, fiel das Gebiet Westpreußen nach dem 1.Weltkrieg an Polen. Somit verlor die Familie von Tiedemann ihre gesamten Besitztümer. Sie bekamen als Entschädigung das Gut Borkow von der Familie Reichhoff angeboten. Der Kaufvertrag ist noch heute in Schwerin einsehbar.

Gutshaus Borkow um 1930

 

Familie von Tiedemann führte grundlegende Renovierungsarbeiten durch und gab dem Gutshaus im Großen und Ganzen das Erscheinungsbild wie es noch heute zu sehen ist.

Die Familie baute unter anderem die Auffahrt und den Vorbau mit den Säulen am Eingang.

Gutshaus Borkow um 1932

Eine Zentralheizung (diese wurde von den Russen nach dem Krieg demontiert) wurde ebenfalls eingebaut. Als wir das Haus erstmalig besichtigten sah man noch die alten Leitungen der Heizung.

Außerdem baute er Bäder und Toiletten ein und sanierte die Zimmer und Wohnungen.

Glücklicherweise konnte uns ein Sohn der Familie - Heinrich von Tiedemann - noch detailliert schildern wie das Haus früher ausgesehen hat.

So war die jetzige Bibliothek das Kinderzimmer und es gab nur insgesamt zwei Badezimmer. Der große weiß/blaue Schrank in der ersten Etage, wird als Haushaltschrank im Kaufvertrag erwähnt und steht dort seit dem 18.Jahrhundert. Zudem gab es eine kleine Terrasse, die von großem Saal aus begehbar war.

Der Saal konnte getrennt benutzt werden. Es gab eine Zwischenwand, die geschlossen wurde und die Familie nahm dort ihre täglichen Mahlzeiten ein.

Bei größeren Festlichkeiten konnte die Zwischenwand zur Seite geschoben werden. Somit konnte man den kompletten Saal nutzen. Die kleine Küche neben dem großen Saal war das Servierzimmer.

Es gab einen Lastenaufzug aus der Küche bis in die oberen Etagen. Mit Hilfe des Fahrstuhls wurden die gekochten Speisen transportiert und dann vom Kammerdiener serviert. Der Kammerdiener wohnte mit seiner Familie im Haus hinter dem eigentlichen Gutshaus.

Gutshaus Borkow um 1934

Als letzter Gutsbesitzersohn wurde Friedrich-Wilhelm von Tiedemann am 04.08.1935 im Gutshaus Borkow geboren.

Zudem brachte Helmuth von Tiedemann auch die Elektrizität nach Borkow. Er baute das erste Kraftwerk an der Mildenitz. Selbst heute erzeugt dies noch Strom.

Die Familie von Tiedemann verkaufte das Gut Borkow im Jahr 1936, weil Helmuth von Tiedemann vom Auswärtigen Amt nach Dänemark versetzt wurde.

Jahr 1935 - 1945

Der letzte Eigentümer vor dem zweiten Weltkrieg war Jordan Freiherr von Campe. Er kaufte das Gut im Jahr 1936 von der Familie von Tiedemann Der Verkauf erfolgte weil Helmuth von Tiedemann im Jahr 1936 vom Auswärtigen Amt nach Dänemark versetzt wurde. (weitere Infos siehe Jahreszeitraum 1928 – 1936)

Von Campe kam aus Isenbüttel (bei Gifhorn) und wurde dort im Rahmen der Gründung des VW Werkes enteignet. Er bekam als Ausgleich die Möglichkeit das Gut Borkow in Mecklenburg zu kaufen.

Der Kaufvertrag ist im Schweriner Amt für Denkmalpflege einsehbar und somit belegt.

Im Kaufvertrag steht, dass Helmuth von Tiedemann das gesamte Personal, sowie Mamsell, Küchenmädchen, Taglöhner etc. ebenfalls mit übergeben hat. Pferde und Kutsche und die Reitpferde seiner Frau hat von Tiedemann mitgenommen. Es mutet sich heute seltsam an wenn im Kaufvertrag steht, dass die Menschen auf dem Gut verbleiben und übergeben werden. Aber man kann es auch als Sorge um seinen Angestellten betrachten. Das es der Familie von Tiedemann wichtig war, dass die auf dem Gut arbeitenden Menschen ihre Arbeit behielten und somit deren Lebensunterhalt gesichert war.

Freiherr von Campe bekam beim Kauf vom Staat die Auflage die Arbeiterkaten und die Dorfschule zu sanieren. Die Katen befanden sich wohl in einem sehr desolaten Zustand. Und es war somit finanziell sehr aufwendig.

Dies lässt sich aus einem Brief an die staatlichen Stellen  entnehmen. Hier schreibt Freiherr von Campe, dass er die Schulrenovierung und einige Katen erst später renovieren will, da er momentan die Kosten dafür nicht aufbringen kann.

Nach dem 2.Weltkrieg wurden die Katen übrigens abgerissen. Diese standen im Bereich der ehemaligen LPG Borkow. Heute ist lediglich die Wasserpumpe noch vorhanden.

Von Campe heiratete Baronin Hammerstein-Loxten  in Borkow und man sagt es sei die letzte Heirat eines Gutsbesitzers auf dem Gut Borkow gewesen.

Es existiert darüber hinaus noch ein brisanter Brief im Schweriner Amt für Denkmalpflege.

Hier wird von Campe von dem Denunzianten vorgeworfen, dass er ein deutsches Gut nicht führen könne, da er eine Beziehung zu Juden habe.

Diese Beziehung gab es tatsächlich und ist somit nicht „aus der Luft“ gegriffen. Seine erste Frau war Jüdin, wobei er sich bereits im Jahr 1924 von ihr scheiden lies.

Er war bis Kriegsende 1945 Gutsbesitzer. Dann flüchtete er vor den Russen nach Hamburg. Nach der Wiedervereinigung 1990 versuchten seine Erben das Gutshaus Borkow wieder zurück zu bekommen. Da es aber bereits im Jahr 1949 enteignet wurde scheiterte dieses Vorhaben.

Anmerkung: Es war im Staatsvertrag zur Wiedervereinigung festgelegt, dass alle Gutsbesitzer die vor 1949 enteignet wurden, ihr ehemaliges Eigentum nicht mehr zurückbekommen, es sei denn sie wurden zur Zeit des Nationalsozialismus enteignet. So gab es für die ehemaligen Eigentümer nur noch die Möglichkeit die Besitztümer zurück zu kaufen.

So wurde zum Beispiel das in der Nähe liegende Schloss Kaarz von Alteigentümern für viel Geld zurück gekauft. 

Jahr 1945 - 1996

Schon während des Krieges lebten ganz viele Flüchtlinge in Borkow.

Das gesamte Haus (inkl. Stall und Keller) wurde nach der Flucht der Besitzer von Flüchtlingen bewohnt.

Erst jetzt haben wir Dokumente gefunden, dass aus dem Berliner Schloss und aus dem Schloss Monbijou – auf Grund der Bombenangriffe während des 2.Weltkriegs - Teppiche und Möbel in das Gutshaus Borkow ausgelagert wurden.

Es waren insgesamt 170 Möbelstücke vor allem nach den Entwürfen von Schinkel, aber auch zwei Roentgen – Möbel.

Was die Russen nach diversen Plünderungen nicht mehr gebrauchen konnten wurde von den Flüchtlingen verwendet. So auch ein Münzkabinett von Friedrich dem Großen. Alle diese überaus wertvollen Möbel waren nicht mehr aufzufinden.

Gutshaus Borkow im Jahr 1992

Während der DDR-Zeit war das Gutshaus ein Gemeinschaftshaus. Es waren Wohnungen darin und auch der Bürgermeister hatte hier sein Büro.

Der Kindergarten von Borkow hatte Räume und zu Beginn war auch noch die Schule hier untergebracht. Zudem gab es noch einen Friseur und eine Poststelle.

Bild des Jugendclubs aus den 80igern.

 

Im Keller gab es einen Jugendclub, der über die Grenzen von Borkow bekannt war. Heute noch kommen die ehemaligen Jugendlichen vorbei und erinnern sich gerne an diesen Jugendclub. Die Reste des Jugendclubs sind in unserem Fahrradkeller noch zu sehen.

Bild des Jugendclubs aus den 80igern.

 

Hier sieht man den Barbereich des Jugendclubs.

Jahr 1996 - heute
Gutshaus Borkow 2014

 

Wir haben das stark renovierungsbedürftige Gutshaus 1996 erworben und unverzüglich mit den Umbauarbeiten begonnen.

Im Jahr 1997 haben wir unser Gutshaus erstmalig für unsere Gäste geöffnet.